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Wie man leben sollte

Yoga kann für uns heute eine Menge von verschiedenen Funktionen erfüllen. Meghan Currie nennt ihre Yogastunden, die sie sonntags auf Bali unterrichtet, „Church“. Patrick Broome hat auf einer der letzten Conferences seine Yogastunde „Gottesdienst“ genannt.

Ein Text von Steffi Grube über das gute Leben

Meghan Currie kommt zur Yogaconference 2019 – Foto by hanna-witte.de

Die Bezeichnungen „church“ oder „Gottesdienst“ für den Yoga-Unterricht kann man ironisch verstehen, muss man aber gar nicht. Denn Yoga kann eine moderne Lebensphilosophie sein, die gut zu unserer freien Wahl in dieser globalen Welt passt. YogalehrerInnen spielen somit eine entscheidende Rolle, den SchülerInnen diese moderne Lebensphilosophie näher zu bringen.

Das moderne, heutige Leben ist in seiner Glaubensfrage komplex. Man hat die Wahl zwischen allen möglichen Religionen, unabhängig von seiner eigenen Herkunft (natürlich prägt die uns dennoch). In Europa können wir uns auch selbstverständlich dafür entscheiden, nicht zu glauben. Oder eben: Wir entscheiden uns gegen einen Glauben einer spezifischen Religion. Wir können auch eine Philosophie als Leitmotiv haben. Eine Art von moralisch-ethischem Kodex, dem wir uns verschreiben.

Wenn man mit Meghan Currie einige ihrer Workshops und Yogastunden verbracht hat, weiß man, dass es Phasen in ihrem Leben gab, in denen sie viel Angst hatte, die sie teilweise erdrückt und gelähmt hat. „Ich war sehr lange auf der Suche nach dem einen Rezept, wie man leben soll“, sagt Meghan. Yoga hat ihr geholfen, um aus diesen Angstzuständen herauszukommen – und heute vor hundert Leuten stehen und Yoga unterrichten zu können.

Ein sinnvolles Leben

Wenn Meghan unterrichtet, dann teilt sie, was für sie funktioniert. Das merkt man an ihrer Asana-Praxis, also den körperlichen Bewegungen, aber auch an der Philosophie, die sie in ihre Geschichten einwebt. Viele sind schlicht ihre eigenen Erfahrungen. Werkzeuge, die ihr bisher geholfen hat, ihr Leben freier zu gestalten und ihr Potenzial zu leben. Gelebte Philosophie, sozusagen. Das hat mit den klassischen Yogatexten nicht mehr viel zu tun – ist dafür aber um so näher dran an unserem jetzigen Leben.

Diese Form von Lebensphilosophie bietet Yoga, mit seiner heutigen Mischung verschiedener traditionsreicher Schulen, der Kombination aus Hinduismus, Buddhismus, moderner Interpretation alter Texte und Poesie. Diese Kombination scheint wie ein Idealrezept für das gute Leben.

„The shoe that fits one person pinches another; there is no recipe for living that suits all cases.“ – Carl Jung

Meghan Currie betont, dass es kein Rezept für „Das gute Leben“ geben kann. Es sei Teil des Problems, dass unsere Gesellschaft uns das oft glauben lässt, dass es EIN Rezept gebe. Und wenn man das gefunden habe – viola: Happiness.

Auf der anderen Seit der Medaille, auf der Freiheit steht, steht Verantwortung, die man selbst für sein Leben übernehmen muss. Oft passiert nämlich das bei zu vielen gut gemeinten Ratschlägen von links und rechts: Wir hören auf andere aber verlieren unsere eigenen Ziele und Wünsche aus dem Blick: Der Schuh, der dem einen passt, drückt eben bei der anderen.

Manchmal sind es gerade die Tipps und Ratschläge, die uns unter Druck setzen: Probier doch mal das hier. Hast du denn das noch nicht gemacht? Aber erst solltest du doch… Die Lösung: selbst denken. Ausprobieren. Den eigenen Weg finden.

Wenn man Meghan in ihrer Yogapraxis sieht, denkt man schnell: Wie macht sie das? Sie bewegst sich leicht und so langsam in Positionen. Wenn ich das Rezept von ihr lernen könnte… Wenn ich ihre „Schuhe“ hätte…

Selbst in den Yoga-Positionen denken wir, wir könnten uns eigene Wege sparen und ein Konzept einer anderen oder eines anderen holen als Schablone und diese vor das eigene Leben halten. Schwupps, da bin ich schon, weil ich mir Spezialwissen angeeignet habe. Nun, nichts gegen die Aneignung von Wissen. Natürlich kann uns Wissen einiges an Umwegen ersparen. Aber genauso natürlich geht es auch hier darum, einen eigenen Weg zu finden. Der, der eben zu dir passt. Zu deinem Körper, deinem Alltag, zu deinen Erfahrungen.

Was sagte schon Ashtanga-Lehrer Pattabhi Jois über Yoga? 99% Praxis und 1% Theorie. Praxis ist eben auch unser Leben, unser Alltag, unsere Grundsätze. Wie wir mit Problemen umgehen.

Meghan Currie inspiriert, aber sie sagt ganz klar, was sie nicht ist: der eine Weg.

Hier findest du alle Veranstaltungen mit Meghan Currie auf der Yogaconference Germany, inklusive ihrer Pre-Conference – übe einen Tag lang mit Meghan im kleineren Kreis.

 

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