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Viele Lieben

Yogaconferences sind ein Aufeinandertreffen verschiedener Stile: Iyengar, Vinyasa, Kundalini… Lehrer und Lehrerinnen aus verschiedenen Traditionen unterrichten. Wir haben uns die Frage gestellt, ob der Stil überhaupt noch einen großen Unterschied macht. Gerade bei Klassen auf einer großen Conference. In einer bunten Welt, wo gerne auch mal Rezepte neu interpretiert werden – ist da nicht die Stilbezeichnung nebensächlich?

Eine Reportage von Steffi Grube mit Fotos von Hanna Witte

Im höchsten Stockwerk des Pullman-Hotels unterrichtet Nicole Bongartz „Shape Shifting“.

„Atme ein, roll nach vorne ins Brett. Atme aus, komm runter auf den Bauch. Atme ein, roll dich auf die rechte Seite und zieh das rechte Knie zu dir ran. Atme aus, rechter Daumen und Zeigefinger hält den rechten großen Zeh, streck das Bein. Das ist die Position Vishnus Couch.“

Die TeilnehmerInnen bewegen sich gleichmäßig, in einem Takt, fließend. Die Körper im Raum sehen weich aus. Es ist noch der Anfang der Stunde und manche Positionen, wie die Vishnus Couch, werden mehrfach wiederholt. Nicole sagt: Das ist das schöne an Wiederholungen, so lernen wir Positionen.

Vom Flow, von der Musik und den fließenden Bewegungen der TeilnehmerInnen her ist klar: Das hier ist eine Vinyasa-Klasse.

Auch Ragunaths Klasse ist weich und fließend – aber irgendwie anders. Ragunath unterrichtet einen Bhakti Flow & Flight. „Chaturanga“, sagt er an, „and I’m gonna do that too because I need it.“ Und er übt auf der Bühne ein kurzes Vinyasa mit. Dann geht er wieder runter von der Bühne und läuft durch die Klasse, die Positionen ansagend.

Seine Stimme wechselt oft von leise zu laut, er spielt damit.

Leise und ruhig sagt er zum Beispiel: „Any time you need a break, you come back to child’s pose.“ Nur ein wenig später hebt er seine Stimme und sagt: „We want a full spectrum transformation! Not just your body. You can be fit and still be sad.“

Es gibt mehrere Pausen zwischen den Flows und Ragunath erzählt gerne Stories: „In Kirtan we say (und Ragunath hebt die Stimme an) SITA RAM! It doesn’t matter if you have a bad voice.“

Unten im Erdgeschoss unterrichtet Michael Forbes.

Er steht vorne auf der Bühne, hat eine kurze blaue Hose an und unterrichtet Iyengar-Yoga – er sagt Sätze wie: „Wer keinen Gurt hat, kann direkt wieder nach Hause gehen.“

oder: „Handgelenk an das Schienbein. Ich komme zu dir und schaue, ob du’s machst.“

„Ich hoffe, ihr folgt, sonst werde ich wütend.“

„Ein Loch, ich sehe ein Loch. Jetzt habe ich dich erwischt.“

Spätestens jetzt klar: Von wegen Vermischung der Stile. Ja klar, das gibt es natürlich auch. Aber diese Klassen sind genau das, was drauf steht.

Und irgendwie ist ja auch genau das modern: Sich klar durch einen Stil zu unterscheiden von anderen. Es gibt so einen Satz, der immer mal wieder verschiedenen Yogalehrern zugeordnet wird: Durch die Vermischung von Stilen werden die Lehren verwässert.

Maya Fiennes erklärt, was ein Feueratem ist. Sie ist Kundalini-Lehrerin und das erste Mal auf der Yogaconference. Der Feueratem muss sitzen. Es gibt ein paar TeilnehmerInnen im Raum, die noch nie an einer Kundalini-Stunde teilgenommen haben. Und Maya will „A thousand breaths of fire“ üben – tausend Mal Feueratmen. „It’s sniffing through the nose“, erklärt sie und macht es vor.

Also wird erst einmal trocken geübt, was dann lange – sehr lange – von allen durchgezogen wird. Typisch Kundalini. Es wird schnell warm im Raum und deshalb fragt Maya lachend:  „This is becoming Bikram Yoga, right?“ Bikram gibt’s jetzt tatsächlich nicht auf der Conference. Aber andere Stile, die wir uns in Teil 2 der Reportage anschauen.

Sneak Peak: Aber was unterrichtet dann Patrick Broome in seinen Kursen „Yoga für alle?“

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