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Viele Lieben – Die Fortsetzung

Den ersten Teil haben wir mit dem Gedanken abgeschlossen, dass ein eindeutiger Yogastil helfen kann, sich selbst in einer klaren Form zu finden. Hier im zweiten Teil stellen wir uns die Frage, was dann diejenigen unterrichten, die sich keinem klaren Stil zuordnen. Eine Mischung von allem?

Eine Reportage von Steffi Grube mit Fotos von Hanna Witte

Patrick Broome unterrichtet Yoga für alle. Das sagt der Kurs-Titel auf der Yogaconference. Patrick war mal das Aushängeschild der Jivamuktis in Deutschland – er hat Jivamukti Yoga nach Deutschland gebracht. Viele Jahre lang hat er nur Jivamukti Yoga unterrichtet und mit-ausgebildet. Seit 2014 unterrichtet Patrick Broome „Yoga für alle“, von Jivamukti Yoga hat er sich distanziert.

Es wurde viel darüber geschrieben, ob Patricks Prozess ein natürlicher Loslöse-Prozess von seinen LehrerInnen Sharon Gannon und David Life ist. Getreu dem spirituellen Motto: Meet the guru, kill the guru. Und dass Patrick so seinen eigenen Stil entwickeln konnte, losgelöst von einem System, das andere gegründet haben und das für ihn aber lange Zeit gut funktioniert hat.

Sind das Jivamukti-Kurse, die jetzt nur anders heißen?

Nein. Patrick Broome hat eine eigene Form entwickelt: Es gibt Sonnengrüße, eine Menge Basis-Positionen und wenige bis keine Vinyasa-Übergänge der einzelnen Positionen. Was wahrscheinlich auch den Titel „Yoga für alle“ rechtfertigt. Aber Basis-Positionen heißt nicht, dass nicht doch ein Handstand kommen kann. Der kommt dann so daher: „So, wir haben alles gut vorbereitet, jetzt gehen wir in einen Handstand“, sagt Patrick. Partnerübung.

Meghan Currie hat auf der Conference nur eine Flow-Klasse unterrichtet. Ansonsten hat Meghan eine Stunde über Atem-Bewusstsein und eine Yin-Klasse angeboten. In ihrer eintägigen Pre-Conference ging es ebenfalls um Körperbewusstsein und Atemarbeit. Das ist ungewöhnlich, ist Meghan doch bekannt für ihre sich langsam aufbauenden, fließenden und letztendlich sehr anstrengenden Flows.

Bei Meghan merkt man an den von ihr angebotenen Themen immer, woran sie selber gerade arbeitet. Vor drei Jahren war es noch viel Journaling, im Jahr darauf mehr anderen begegnen und Sich-in-die-Augen-schauen, in diesem Jahr ist es Atembewusstein und den Körper spüren.

Die Schwerkraft fühlen, die eigene Anspannung fühlen. Und das ist auch nur die Bestandsaufnahme von diesem Jahr. Wer weiß, wie ihr Unterricht im nächsten aussieht. Natürlich sind ihre Stunden wiedererkennbar – aber sie wandeln sich.

Ist das irgendein Stil? Nun, wenn man einen nehmen müsste, würde man wohl sagen, das ist der Stil von Meghan Currie.

Bestimmte Stile erkennt man wieder, auch ohne, dass sie benannt werden müssen.

Es ist schon so, dass Meghan Currie bestimmte Sequenzen geprägt hat. Unterrichtet man die in seinem Unterricht, kann es sehr gut sein, dass Meghans Stil wiedererkannt wird.

Patrick Broome und Meghan Currie prägen die Yogaszene schon seit vielen Jahren. Sie haben aus verschiedenen Motivationen heraus ihren eigenen Stil geprägt. Und das auch nicht über Nacht.

Könnte sich aus ihren Stilen eine eigene Schule entwickeln? Sicherlich, wenn sie es denn wollten. Meghan könnte nach ihren Teacher-Trainings, die sie anbietet, den SchülerInnen erlauben, die Klassen „Meghan Currie Yoga“ zu nennen. Zum Beispiel. Patrick könnte das mit seiner Schule in München ebenso machen, und dann kommen LehrerInnen von ihm in ein paar Jahren zur Yogaconference und unterrichten „Patrick Broome Yoga“. Zugegeben, vielleicht würde ein anderer Name helfen als der der GründerInnen… Young-Ho Kim zum Beispiel hat seine eigene Marke Inside-Flow genannt und somit seinen eigenen Stil gegründet (die Yoga-Asanas werden auf einen Song choreografiert und interpretiert). Wenn jemand von seinen SchülerInnen einen neuen Inside-Flow anbieten möchte, braucht er erst das Go von Young-Ho.

Katonah-Yoga bietet keine eigenen Teacher Tranings an. Aber man kann als bereits ausgebildeter Yogalehrer/ als bereits ausgebildete Yogalehrerin Katonah-zeritifiziert werden, wenn man genügend Fortbildungsstunden sammelt. Und somit Katonah-Klassen selbst anbieten.

Zum ersten Mal stand in diesem Jahr Katonah Yoga auf dem Programm der Yogaconference. Dieser Stil ist benannt nach einer Stadt im Bundesstaat New York und wurde von Nevine Michaan gegründet. Die Gründerin beschreibt Katonah Yoga als Verbindung von Hatha Yoga-Positionen und Taoismus. (Mehr dazu hier.)

Abbie Galvin, Freundin und jahrzehntelange Schülerin von Nevine Michaan, hat auf der Conference Katonah Yoga unterrichtet.

Und ja, Katonah ist ein eigener Stil, der wiedererkennbar ist.  Weil eben auch verschiedene LehrerInnen diese Methode unterrichten und verbreiten, macht es Sinn, ihm einen eigenen Namen zu geben. So kann Abbie Galvin Katonah unterrichten. Und viele neue LehrerInnen, die sich in dem Stil wohlfühlen. So kann Katonah mehr wachsen, als wenn „nur“ Nevine Michaan ihren Stil unterrichten würde.

Inwieweit dieser Wachstum natürlich passiert und inwieweit man diesen Wachstum „planen“ oder „pushen“ kann, ist schwer zu sagen. Wie so oft sind es vielleicht einfach verschiedene Dynamiken, die aufeinander treffen, wenn etwas Neues entsteht.

Und so gab es damals wohl eine Dynamik, die Patrick Broome dazu gebracht hat, Jivamukti Yoga nach Deutschland zu bringen. Und irgendwann sich wieder von dem Stil zu trennen. Eine Dynamik, die Meghan Currie antreibt, immer wieder neue Elemente in ihren Stil zu integrieren. Eine Dynamik, die Nevine Michaan gezeigt hat, dass Katonah raus muss in die Welt. Aber auch das ist alles nur eine Bestandsaufnahme, wie es heute ist. Und unsere Entscheidungen, was wir SchülerInnen und LehrerInnen gut finden, wo wir hingehen, welchem Stil wir folgen oder nicht folgen, trägt zu dieser Dynamik und dem ständigen Wandel in der Yogaszene bei.

 

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