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„The Body as the Magic House“ – Ein Frühjahrsputz mit Katonah Yoga

In meiner ersten Katonah-Fortbildung habe ich ein weißes Blatt Papier bekommen. Daraus sollte ich einen Würfel falten. Nichts, so finde ich, zeigt besser, welche Grund-Philosophie Katonah Yoga ausmacht: Dieses weiße Blatt steht für unseren Körper. Über verschiedene Positionen, Asanas, und mithilfe unseres Atems bringen wir den Körper in andere Formen: Wir falten uns, wir entfalten uns wieder. Wir falten uns in eine Richtung, in eine andere – bis aus dem flachen Blatt ein Würfel wird, ein Behältnis, das seine Funktion als Hülle perfekt erfüllt.

Ein Text von Steffi Grube

Das ist ein Artikel über meine Erfahrungen mit Katonah Yoga. Wie mit allen Stilen ist es schwierig, eine Art Inhaltsangabe zu erwarten. Ich schreibe hier über meine Erfahrungen in drei Fortbildungen mit Abbie Galvin.

Seit ich Katonah Yoga übe, stelle ich mir in Tadasana vor: Ich bin dieses Blatt Papier. Ich kann mich in der Mitte einmal falten: stehende Vorwärtsbeuge, Utanasana. Ich kann dieses Blatt nochmals falten: Ich setze mich tief, hebe den Oberkörper: Utkatasana. Und so weiter. Jede Bewegung kann ein Zusammenklappen oder ein Öffnen des Papiers darstellen.

Das ist die Anleitung zu dem weißen Blatt Papier, das ich in einen Würfel falten soll: „Directions to make a Magic Square into a Magic Cube“:

So wird aus der Asana-Praxis ein Falten und Ent-Falten. Das letztendlich den Körper zu einem perfekten Behältnis macht, für all unsere Organe und all unsere Funktionen und damit auch all unsere Möglichkeiten, über das Körperliche hinaus.

„GOAL: To create the „FORM“ that can hold the elixir of the universe, using the idea of „divide & conquer“.“

Zurück zu dem weißen Blatt. Es hat nämlich noch eine andere Funktion als das Erkennen der eigenen Falt-Möglichkeiten: Das Grundprinzip des Würfel-Basteln basiert auf dem Falten des Papiers in 3 x 3 Quadrate, so dass, wenn man das Papier nach dem Knicken wieder ausfaltet, man ein Quadrat hat (das Blatt Papier) auf dem 9 kleinere Quadrate (3×3) durch die Knicke zu sehen sind. Diese neun Quadrate stehen für neun verschiedene Räume in unserem Haus – unserem Körper.

„Taking a whole and divide it into 3 x 3 square“.

Diese neun Räume stellen bestimmte Bereiche unseres Körpers da.

Das Quadrat unten links, wenn man auf das Blatt schaut, steht zum Beispiel für unser rechtes Bein und den rechten Fuß. Es ist die „Garage“. Stellvertretend für unsere väterlichen Wurzeln, aus denen wir wachsen, stellvertretend für das Risiko, das wir im Leben eingehen (müssen), stellvertretend für den ersten Schritt, den wir machen. Bei Katonah arbeitet man viel mit Metaphern. Der rechte Fuß steht für das Gaspedal. Also den Mut, den man aufbringt, Gas zu geben und aus der Garage zu fahren. Etwas zu wagen, in eine andere Richtung zu gehen und/oder zu fahren.

Hier, in diesem Quadrat finden wir unsere Nieren, das Element Feuer, Kontakt und Geschlecht.

Wer fit ist in der chinesischen Medizin, erkennt hier einiges wieder: In der TCM (traditionellen chinesische Medizin) stehen unsere Nieren für unser Erbgut, die Reserven, die wir von unseren Eltern bekommen haben. Volle Nieren in Hinsicht auf einen vollen Speicher geben uns mehr Möglichkeiten, etwas zu riskieren oder einen Schritt zu wagen in eine bestimmte Richtung.

Und das ist auch schon die Mischung, die Katonah Yoga ausmacht: Das Kombinieren einer Hatha-Yoga-Praxis mit der Philosophie des Tao (oder auch Dao geschrieben).

Gegründet wurde Katonah Yoga von Nevine Michaan, die 1954 in Egypten geboren wurde, und mit 3 Jahren nach New York kam. Während der Studienzeit praktizierte sie dort Yoga, lernte vor allem mit und von Allan Bateman. 1980 begann sie selbst zu unterrichten und 1986 eröffnete sie ihr eigenes Studio, in der Stadt Katonah, im Bundesstaat New York, wo sie heute immer noch lebt und unterrichtet. Daher der Name.

Von Nevine Michaan kommen die Metaphern und Bilder, die im Katonah Yoga so wichtig sind:

Der Körper als Haus, der Körper als Instrument.

Mit diesen Metaphern spielen die Katonah-YogalererInnen. Abbie, langjährige Freundin und Schülerin von Nevine Michaan und Leiterin des Katonah-Studios in New York City, ist eine Meisterin der Metaphern, um die Funktionen des Körpers zu veranschaulichen. Eigentlich doch ganz einfach, sagt sie dann, es muss nur alles im Körper gut gestimmt sein, dann kann auch alles gut miteinander spielen.

Abbie Galvin ist bekannt für ihre „Body Readings“ (bietet sie auch als Kurs auf der Conference an, Samstag früh). Sie setzt dann eine Teilnehmerin/ einen Teilnehmer vor sich in ein aufrechtes Badhakonasana und schaut sich den Körper an. Sie sieht sich die Fußsohlen an und wie sie unterschiedlich sind, die Hüfte, die Lungen, die Arme…. Wie atmet die Person vor ihr? Wo schafft sie Raum? Wo fehlt er?

Abbie erklärt, während sie sieht. Sie sagt, dass hier die Fersen nicht aufeinander passen. Das heißt… Und dass die Lungen nicht voll atmen. Man könnte…

Mach das so, sagt Abbie und verbessert, indem sie ihren Fuß in den Rücken legt und sanft das Brustbein damit nach vorne hebt. Siehst du, sagt sie, jetzt können deine Lungen besser arbeiten.

Oder: Niemals die Nieren squeezen, sagt Abbie, und hebt einen raus aus der Hüfte.

Einfach ausgedrückt: Der Körper wird in die Richtungen bewegt, in die es eigentlich logisch ist. Kein Verbiegen, aber ein Behältnis schaffen, das eine optimale Form hat für seine Organe, die sich in ihm befinden. Damit die gut arbeiten können. Und so Möglichkeiten bestehen, sich seinen Visionen und Zielen zuwenden zu können.

Eine Stunde mit Abbie fühlt sich an, als wenn man einmal das ganze Haus lüftet und putzt. Der Körper fühlt sich so an, als wenn (endlich) alles wieder an seinem Platz ist. Und durch die Atemübungen, viele aus dem Kundalini, findet man auch wieder Raum in den einzelnen Etagen. Zusätzlich fühlt sich auch der Kopf frei an. Abbie sagt dazu: „The whole is greater than the sum of its parts“. Das ist dann die Katonah-Magie.

Abbie Galvin macht eine Pre-conference: Freitag, 31. Mai. Und drei Workshops auf der Conference. Hier findest du ihren Schedule.

Räume/ ein Haus eignen sich offensichtlich sehr gut, um eine Metapher für den Körper darzustellen. Das haben wir schon bei Georg Lollos in seiner Buchvorstellung gelesen.

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