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Eine Liebe – Warum Kundalini Yoga wieder in ist

Es ist eine Philosophie der Kölner Yogaconference, verschiedene Yoga-Stile anzubieten. Kundalini war schon immer mit vertreten, vor allem in Person von Gurmukh Kaur Khalsa. Es war aber längere Zeit kein Stil, der großen Zulauf erfuhr. Das hat sich geändert: Es gibt wieder ein größeres (online) Kundalini-Angebot, in vorher reinen Vinyasa-Studios findet man Kundalini auf dem Stundenplan. Warum es wieder en vogue ist, weiße Leggings und Turban zu tragen.

Ein Text von Steffi Grube // mit Fotos von Hanna Witte

Ende der 1960er-Jahre kam Yogi Bhajan in die USA und brachte seine Lehren des Kundalini-Yoga in den Westen. Yogi Bhajan ist wohl eine der schillerndsten Figuren des modernen Yoga. Mit Schmuck behangen und in teuren Autos fahrend hat Yogi Bhajan die Grundpfeiler des einfachen und genügsamen Yogalehrers eingebrochen – wie neben ihm auch Osho. Die beiden haben zusammengepackt, was es vorher so noch nicht gab: den Konsum des Westens und die spirituelle Praxis des Ostens. Und das beides in your face.

Man sagt oft über Yogi Bhajan, er habe es verstanden erfolgreich zu vermitteln, was der Westen in den 70ern brauchte: Eine Verbindung von modernem, westlichen Leben ohne Einschränkungen, kombiniert mit spiritueller Sinn-Suche: Kundalini-Praktiken können dir helfen, mehr Selbstvertrauen zu gewinnen, ein eigenes Business aufzubauen, mehr Geld zu verdienen, besser auszusehen.

Aber passt das heute immer noch in unsere Yogawelt?

Sind wir Yogis heute nicht Post-Konsum? Nerven uns nicht Verkaufs-Strategien? Und wollen wir nicht zurück zu einem einfachen, simplen Leben?

Als in dieser Woche die Pariser Kathedrale Notre Dame brannte, hatten einige BloggerInnen die vielen Mitleidsbekundungen zu dem Brand der Kathedrale als Euro- und Egozentrismus erklärt. Bekannte Influencerinnen wie Madeleine Daria Alizadeh (alias @dariadaria) und die Moderatorin Wana Limar führten an, dass das Brennen der Kirche symbolisch auch für ein Brennen unseres Planeten stehe. Plus: Auf einmal werde Geld gespendet, das für Hilferufe aus anderen Ländern niemals in der Höhe gesammelt werden könnte. So schreibt Wana Limar in einem Post auf Instagram:  „Vor kaum mehr als ein paar Jahren wurde Aleppo in Syrien komplett zerbombt und als Ruine von Stadt hinterlassen. Diese Bilder haben wir alle gesehen. Und obwohl das Ausmaß dieser Katastrophe so unendlich viel größer war für Millionen von Menschen, hat es leider nicht die gleiche Reaktion hervorgerufen. Ganz abgesehen davon, dass innerhalb von 2 Tagen einige wenige Milliardärs-Familien ganz kurz mal 600 Mio. Euro für den Wiederaufbau des Notre Dames locker gemacht haben…“

Was die Influencerin kritisiert, ist nicht Reichtum an sich – Wana Limar arbeitet für Nike und macht Werbung für Vogue. Sie will Geld nutzen für gemeinnützige Zwecke – und das Aufmerksam-Machen auf Missstände.

So geht es uns Yogis heute doch auch selten um keinen Konsum – sondern um bewussten Konsum. In dieser westlichen Welt leben, ja. Aber mit fair produzierter Kleidung und Unverpackt-Läden. Lieber den Schuster in der Straße nebenan unterstützen und Schuhe reparieren lassen als neue online mit Amazon zu bestellen.

Selten ist es die komplette Entsagung… Aber weniger ist es oft schon.

In Kundalini-Workshops zum Thema Reichtum findet man die folgenden drei Schritte:

1. Wisse, wer Du bist
2. Erlaube, Reichtum zu Dir kommen zu lassen
3. Teile deinen Reichtum mit anderen

Und Reichtum kann natürlich vieles bedeuten, selbstverständlich nicht nur Geld – aber eben auch das. Manchmal schließen wir im Yoga explizit das Thema Geld aus. Als wenn es sich nicht schickt, auch Finanzielles zu thematisieren. Jim Carrey sagte einmal dazu passend: „Ich hoffe, dass jeder einmal reich werden kann und dann alles hat, was er  sich je erträumt hat, sodass er erkennt, dass dies nicht die Antwort ist.“

Yogi Bhajan sagt im natürlichen Umkehrschluss: „Wenn man anderen nicht zu Wohlstand verhilft, dann kann man selbst nicht reich werden, was immer man auch versuchen mag.“ Im letzten Schritt geht es auch hier um die Sinn-Suche. Wie kann ein sinnvolles Leben für mich und die Menschen um mich herum aussehen?

Yoga Conference 2015 - Workshop Gurmukh

Gurmukh 2015 auf der Yogaconference in Köln

Was man nicht vergessen darf: Yogi Bhajan hat gerne provoziert. Provokation kann eine gute Methode sein, andere aus der Komfortzone zu holen. Und so funktionieren auch praktisch die meisten der Kundalini-Übungen. Sie wecken Wut, Verzweiflung und zeigen eigene Emotionen und Reaktionen, von denen man gar nicht wusste, dass sie da sind. Charakteristisch sind die intensiven Sets an Atemübungen, kombiniert mit Hand-und Armbewegungen, gerne mal elf Minuten lang gehalten. Nach einer Kundalini-Stunde fühlt man sich deswegen oft so unglaublich gereinigt – weil man so viele eigene Höhen und Tiefen miterlebt hat.

Und vielleicht ist es das, was Kundalini heute wieder so modern macht. Das Vereinen von Gegensätzen, die eigentlich nicht zusammen passen. Das Luxus-Dilemma, in dem wir westlichen Yogis oft stecken: Auf der einen Seite lieben wir die Großstadt mit handgeröstetem Kaffee und Avocado-Toast, auf der anderen Seite träumen wir von dem Haus auf dem Land mit eigenem Garten. Wir wollen die Welt sehen und reisen gehen auf der einen Seite, andererseits ist das mit Blick auf die CO2-Bilanz eines Fluges mit der Umwelt nicht zu vereinen. Überall müssen wir Kompromisse schließen.

Zurück zur Notre-Dame-Diskussion: Auch hier geht es nicht darum, Emotionen für die Zerstörung eines Wahrzeichens zu kritisieren – aber wie könnte ein ganzheitlicher Ansatz aussehen, auch andere zerstörte Bauwerke und Städte zu bedauern und wieder aufzubauen? Die Frage ist doch: Ist nicht BEIDES möglich?

Ging es in den 70er Jahren noch um die Verbindung der beiden Gegensätze spiritueller und finanzieller Wohlstand eines jeden einzelnen/einer jeden einzelnen, könnte man heute sagen: Kann man diese Idee nicht globalisieren? Dass wir eine Weltgesellschaft werden, die spirituellen und materiellen Reichtum unter sich verteilt?

Im Kleinen: Der Trick ist, wie in einer guten Kundalini-Stunde, nicht aufzugeben, sondern bewusst hinzuschauen. Anstelle sich selbst und die Welt, die Zerstörung, die Umwelt, den Planeten etc. in eine Opfer-Rolle zu stecken, wählen wir, was wir verantworten können. Und wie wir eine Veränderung herbeiführen können.

Und wie bei allen Yoga-Stilen geht es darum, auf der Matte zu üben: Ich bin mehr als ich dachte. Ich kann mehr als ich dachte. Und das auf die Menschen um uns herum zu übertragen. Auch die sind mehr als sie denken, können mehr als sie denken.

In diesem Jahr kommt Maya Fiennes als Kundalini-Yogalehrerin auf die Conference. Sie kombiniert in ihrem Unterricht Kundalini mit Erfahrungen aus Tai Chi und Qi Gong. Die aus Mazedonien stammende Lehrerin lebt mit ihren beiden Kindern in LA. Sie gibt kaum noch Yogaklassen, sondern reist mit ihren Workshops und Ausbildungen durch die Welt.

Am Conference-Freitag gibt sie einen ganzen Tag lang ein Intensive, das auch unabhängig von der Conference gebucht werden kann.

Auch LehrerInnen anderer Yoga-Schulen bedienen sich an einzelnen Kundalini-Übungen und integrieren sie in ihre Klassen. Atemübungen, wie sie Katonah-Yoga zum Beispiel unterrichtet, kommen zum größten Teil aus dem Kundalini. Abbie Galvin, die in diesem Jahr auch auf der Yogaconference in Köln ist, bringt in jede ihre Stunden Kundalini- Atemübungen hinzu.

Abbie Galvin unterrichtet Katonah-Yoga.  Auch Abbie gibt ein Intensive am Freitag vor der Conference, das unabhängig gebucht werden kann.

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