Dylan Werner meets Yogimobil – Über Herausforderung und Hingabe

Dylan Werner – ein Name der in der Yogaszene international ein Begriff ist und Handstand-Liebhaber mit purer Freude erfüllt. Ich hatte die große Ehre, eine meiner größten Yoga-Inspirationen persönlich zu treffen. Dylan hat uns am Yogimobil besucht. Er hat sich die Zeit genommen und mit mir über Veränderung, seine persönliche Yogareise und seine Musik (ja richtig! Er macht auch noch etwas anderes als einarmigen Handstand und Instagram) zu sprechen. Warum Rechts und Links für mich die Geißeln der Menschheit sind, warum ich die Yogapraxis mit ihm als so bereichernd empfinde und was Dylan über die Yogaconference denkt, erfahrt ihr hier. – ein Artikel von Kim Kassandra Schmid

Dylan Werner – Über seinen persönlichen Yogaweg und internationalen Erfolg 

Der gebürtige Kalifornier und ehemalige Feuerwehrmann und Sanitäter verdankt seine internationale Karriere hauptsächlich Social Media. Sein Instagram Account @dylanwerneryoga, auf dem er Bilder von sich in Haltungen zeigt, zu denen wahrscheinlich nur eine Handvoll Menschen auf der Welt überhaupt fähig sind, verzeichnet über eine halbe Million Follower. Seine Bilder versieht er mit philosophischen Überlegungen zu Dingen, die uns Menschen im Innersten berühren. Dylan Werner begann 2009 mit einer kontinuierlichen Yogapraxis und 2010 mit seiner Lehrerausbildung. Nachdem er 2013 seinen Job verlor, entschied er sich, Yoga hauptberuflich zu unterrichten. Er nahm jede Möglichkeit wahr und unterrichtete in Fitnessstudios und kleinen Yogastudios rund um Los Angeles bis zu 25 Yogaklassen pro Woche. Über Social Media und durch die gute Resonanz seiner Schüler erhielt er Aufträge von größeren Yogastudios. Außerdem begann er Videos mit dem Online-Yogastudio „Cody“ zu drehen und erzielte so eine enorm große Reichweite: zahlreiche Menschen, die er zuvor noch nie gesehen hat, praktizieren täglich mit ihm online. Er wurde sprichwörtlich über Nacht berühmt und bekam internationale Anfragen, sodass er die letzten fünf Jahre die Welt bereist.

Bereits 2017 hat sein Instagram-Auftritt mich neugierig werden lassen. Ich wollte unbedingt wissen, ob hinter den kraftvollen Haltungen mehr steckt als nur unglaublich diszipliniertes, akrobatisches Training.  2017 besuchte ich bereits seine Yogaeinheiten „One Arm Revolution“ und „Yogafu“ auf der Yogaconference. Und natürlich wurden die Teilnehmer herausgefordert und an ihre Grenzen geführt, kraftmäßig, aber vor allem koordinativ: Handstand ohne Ende und dann eine anspruchsvoll sequenzierte Vinyasa-Class.

Dazu ein Exkurs: Mit 10 Jahren hatte ich eine Gürtel-Prüfung im Karate. Ich sollte einen Tritt nach rechts ausführen und verwechselte natürlich die Seiten. Ich brach mit dem Tritt meinem Gegenüber, einem kleinen zierlichen Junge fast die Nase. Dieser lief weinend, sich die Hände vor die blutige Nase haltend, aus der Halle. Mein Lehrer war natürlich unglaublich wütend. Von da an schrieb er mir vor jedem Training mit Dauerschreiber „Rechts“ und „Links“ auf die Füße. Meine Karatekarriere dauerte nicht mehr all zu lange. Durch meine Yogapraxis hat sich meine Koordination etwas verbessert, aber noch heute nehme ich manchmal meine rechte Hand und schreibe pantomimisch in die Luft, um die rechte Seite eindeutig zu identifizieren. Ich halte rechts und links noch immer für die Geißel der Menschheit. Mit begrenzten koordinativen Möglichkeiten kam ich also in Dylans Class und wurde definitiv an die Grenze des Machbaren und darüber hinaus geführt. Und genau das fasziniert mich so an seinen Klassen. Durch die körperlich sehr anstrengenden Klassen motiviert Dylan Werner auf so besondere Weise zu mehr Fokus, Präsenz und Klarheit.

„Flowing Mandala“ – Präzision & Herausforderung

Auch dieses Jahr wollte ich die Herausforderung annehmen und besuchte zuerst seine Klasse „Flowing Mandala“. Los ging es mit einem Mudra namens „Mandala“. Ich frage mich auch jetzt noch, hat er dieses Mudra ausgewählt, weil es so gut zu dem Titel der Yogaeinheit passt oder weil es einfach die komplizierteste Handgeste ist, die er finden konnte. Nach gefühlten 20 Anläufen, die Dylan scheinbar ziemlich amüsierten, hatten wir unsere Hände mehr oder weniger angemessen verknotet. Ganz nach dem Motto „Links ist da wo der Daumen rechts ist“. Es folgte eine intensive, fließende und kraftvolle Vinyasa-Einheit. Seine Sequenz war als eine einzige, kreisförmige Bewegung gestaltet, ohne Anfang – ohne Ende. Immer wieder motiviert er dazu, weiter zu machen, nochmal zu beginnen: „Durch die Herausforderung finden wir wahres Wachstum.“ Dylan führte durch zahlreiche „Arm-Balancen“, Umkehrhaltungen und Twist. Dabei erzählt er uns über Yoga Philosophie und seine persönlichen Erfahrungen: „Asanas sind ein Werkzeug um den Geist zu schulen“. Am Ende begleitet er die Entspannung mit den magischen Tönen seiner „Hand Pan“, die mich immer wieder aufs Neue verzaubern. Die hypnotischen Klänge scheinen die gesamte Tonleiter der Schöpfung zu umfassen: Regen, Sonnenschein, Mondlicht, Wind und Erde. Ein wundervolles Instrument. Dylan verrät mir später im Gespräch, dass es sich dabei um eine „RA-Vast Drum“ handelt, die nur in Russland gebaut wird.

„Prana Deep Dive“ – intensives Pranayama und Chi Gong trifft auf Yin-Energie.

Und dann zeigte sich Dylan von einer ganz anderen Seite. Er überraschte mit einer sehr kraftvollen, innigen Stunde mit Chi Gong, Thai-Chi und Yin-Elementen. Eine Yogaeinheit, die wirklich eine besondere Tiefe hatte – sowohl emotional als auch körperlich. Er begann seine Stunde mit einer, wie er es nannte, „Beichte“, die direkt eine ganz besondere Energie im Raum kreierte. Dylan erzählte von seiner größten Angst: „Meine größte Angst ist, dass ihr alle rausfindet, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, von dem was ich hier erzähle. Wirklich – Ich habe keine Ahnung. Deswegen lese ich so viele Bücher, sammele so viel Wissen. Aber je mehr ich lese umso mehr habe ich das Gefühl, noch weniger zu wissen.“ Dylan Werner – der Mann, bei dem der einarmige Handstand wie ein Spaziergang aussieht, hat solche menschlichen Ängste? Ernsthaft? Natürlich. Und genau das war der Impuls für die Schüler, Anspannung loszulassen, Anforderungen loszulassen und sich einzulassen. So schuf er umgehend Raum für Vertrauen und vor allem Hingabe. Er lehrte mit Chi Gong und Thai-Chi-Elementen, Energien zu erspüren und frei fließen zu lassen. Jede Bewegung wurde synchron mit der Atmung ausgeführt. Statische Haltungen wie der Hüftöffner „schlafender Schwan“ wurden mit Atemtechniken wie „Kumbhaka“ – das Anhalten des Atems –  auf ganz besondere Weise vertieft. Die von ihm auf großartige Weise zusammengestellte Playlist mit sanften „Electro Beats“ und „Ambient music“ unterstützte auf magische Weise, noch tiefer zu tauchen. Der Song „The Last Stand“ von Koda klingt immer noch in meinen Gedanken. (Hier findet ihr die großartige Playlist)

„Anstrengung bringt uns auf der Reise nur bis zu einem gewissen Punkt, ab dem wir dann nur noch mit Hingabe weiterkommen. Aber wir brauchen die Anstrengung, damit wir das Schöne in der Hingabe wertschätzen können.“

Dylan @ Yogimobil

Nach seiner letzten Stunde auf der Yogaconference kam Dylan dann zum Yogimobil geschlendert und hüpfte ganz galant mit den Worten „Hey guys! Nice van“ hinein. Ganz nach dem diesjährigen Motto der Yogaconference „Be the chance“ sprachen wir über Veränderung. Während er unterrichtete, berichtete er bereits von einigen Veränderungen. Durch seine Freundin Susann Kind, ihres Zeichen auch Yogalehrerin, die ihm assistierte und feengleich durch den Raum schwebte, verbringt er derzeit mehr Zeit in Deutschland. Trotzdem möchte er auch weiterhin die Welt bereisen.

„Live is always continuously changing. The daily change is special. And actually my biggest chance recently was that I slow down from travelling a bit. So that I could focus more on other things.”

Besonders interessant ist, dass Dylan neben seiner Yogapraxis Musik macht. Nicht nur mit der Hand-Pan, sondern auch mit der Guitarre. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass Dylan die Musik und damit seine Band “SHVA” sehr am Herzen liegen. Er berichtet auf mein Fragen hin voller Freude über die Entstehung der Band.

„I always played in rockbands. I played with the same guys for twenty years. With two of the guys from the band I play together since I am 12 years old i started a trance rock band. We wanted to do something different. We founded the band “SHVA”. It was at the beginning of my yogacareer. I wanted to do a Mantra Album. For our singer it was the first introduction to kirtan, sanskrit and mantras. He did the best he could to learn all this stuff. Over the years we created this album. Hopefully we will do some more stuff.”

Am Ende sprachen wir über die Yogaconference, und er fand wundervolle Worte, um dieses magische Event zu beschreiben:

„The yogaconference is a building. It`s a space. A space in another space. Germany is another space. Nothing about a space ever makes a space special except what you put into the space. The students come for the teachers that are in the space and the teachers come for the students. It`s a beautiful thing to be able to connect with people from all over the world. It`s another opportunity to hold the space and create the connection and create this union, we want to call yoga.“

Ich sagte Dylan, dass seine Angst das Falsche zu sagen, gänzlich unbegründet sei und, dass er ruhig mehr Interviews geben sollte. Er lachte freudig und beichtete weiter: „Ich bin ziemlich schüchtern. Das wissen die wenigstens Menschen“.

Dylan Werner ist ein Instagram-Star und Meister der Armbalancen. Darüber hinaus lebt er Yoga und ist ein unglaublich vielseitiger Lehrer, der in der Lage ist, die anspruchsvollsten Konzepte von Yoga und Bewegung jedem zugänglich zu machen. Mich hat er mit seiner „Prana-Deep-Dive-Stunde“ nochmal auf ganz neue Weise berührt und begeistert. Wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt eine Stunde bei ihm besuchen. Es bereichert die persönliche Yoga-Praxis auf besondere Weise. Ich für meinen Teil arbeite bis nächstes Jahr weiterhin an meiner Koordination.

…zumindest ein Handstand-Bild muss sein.

Natürlich haben Mark und ich Dylan nach Saarbrücken eingeladen, so dass er seine Praxis auch mit unseren Yogis teilen kann. Gerne mit zusätzlichem Konzert. Wir freuen uns von Herzen darauf.

„Music is about feeling, if you get true the technical stuff, its about feeling. Just like yoga, yoga wants to get pass the technical stuff, and then its about feeling.“ 

Viel Dank Dylan für deine Zeit und Energie.

Eure Kim

Mehr Infos findet ihr auf Dylans website: www.dylanwerneryoga.com

Fotos: Hannah Witte

Veröffentlicht von

www.yogimobil.de

Kim Kassandra Schmid und Mark Schmid reisen mit ihrem VW-Bus, namens Yogimobil durch Europa und unterrichten gemeinsam Yoga. So bunt wie ihr Van, sind ihre Yogastunden. Ihre Yogapraxis Praxis gründet auf den Lehren von Selvarajan Yesudian und ist beeinflusst von Vinyasa und Yin Yoga. Immer mit dabei: ihre Klangschalen und Gongs. Mehr zu den beiden findet ihr auf ihrer Webseite: www.yogimobil.de

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